Panoramaschwenk.
Text von Theo Maier
Der erste Freund meiner Mutter betrieb im Ort ein Elektrofachgeschäft, das er von seinem Vater übernommen hatte. Auf dem Gipfel des nächstgelegenen Skigebiets stand aus diesem Geschäft eine Kamera, die jeden Morgen anfing, sich im Kreis zu drehen. Wenn ich im Winter aufstand, schaltete ich auf dem Weg zum Frühstückstisch mit der Fernbedienung den Fernseher ein, ein Gerät, das meine Mutter wie alle anderen elektronischen Geräte im Geschäft des ersten Freundes gekauft hatte. Ich konnte die Leute aus dem Sessellift aussteigen sehen. Ich konnte ihnen dabei zusehen, wie sie ihre Beine, die nun lange Zeit die kalte Luft hinabgehangen waren, eines nach dem anderen auf dem Boden abstellten, während der Sessel sie, bevor er an seinem Band einen Halbkreis fuhr und den Weg nach unten nahm, um die nächsten abzuholen, noch ein Stück vor sich herschob. Ich konnte mir ein Bild von einem Ort verschaffen, den ich später selbst noch aufsuchen würde, wenn der Wind nicht zu stark wehte und das Wetter nicht zu kalt war. Ich konnte diese Dinge anhand der Zahlen an der unteren Kante des Fernsehbildschirmes ablesen. Oder ich schaute den Zipfelmützen der Kinder zu, fragte mich, ob sie der Wind besonders hoch hinauf wehte, ob er ihnen die Backen allzu rot färbte, ob ich es aushielte, wenn mir später Ähnliches passierte. Wie auch immer das Wetter war, wenn ich ihn mir einmal so genau angeschaut hatte, war es schwer, mich dagegen zu entscheiden, an diesem Tag noch den Berg hinauf gefahren zu werden. (Text: Theo Maier)
My mother’s first boyfriend ran an electrical store in the village, which he had taken over from his father. At the top of the nearest ski resort, there was a camera from this store that started spinning in circles every morning. When I got up in the winter, on my way to the breakfast table, I would turn on the television with the remote control, a device that my mother had bought, like all the other electronic devices, in the first friend’s store. I could see people getting off the chairlift. I could watch them put their legs, which had now been hanging down the cold air for a long time, one by one on the floor while the chair, before making a semicircle on its belt and making its way down to pick up the next ones, pushed them a little ahead of it. I was able to get a picture of a place that I would go to later myself, if the wind wasn’t blowing too hard and the weather wasn’t too cold. I could read these things from the numbers on the bottom edge of the TV screen. Or I would watch the children’s pointed caps, wondering if the wind was blowing them up particularly high, if it was making their cheeks all too red, if I could stand it if something similar happened to me later. Whatever the weather was like, once I had taken a good look at it, it was hard to decide against being driven up the mountain that day. (Text: Theo Maier)


