Irma Anna Prenn
Andi Dvořák
Ich will Rot

Eröffnung / Opening September 16, 2025, 7 PM
Live: Brooke’s Bedroom September 19, 2025, 7 PM
Exhibition : September 17 – 23, 2025
Fettkakao was founded in 2005, we celebrated its 10th anniversary allready together and now we are hosting an exhibition for its 20th anniversary !

Ausstellungsansicht


Irma Anna Prenn
Bettüberwürfe
Wolle, Dimensionen variable, 2025

Irma Anna Prenn
Kissen
Wolle
65 cm x 65 cm
2025






Andi Dvořák
Stadionbad, Sanitärbereich
Buntstift auf Pappe
59,50 cm x 37 cm
2019

Andi Dvořák
Stadionbad, 10-Meter-Sprungturm Buntstift auf Pappe
100 cm x 58 cm
2019

Andi Dvořák
Pletyka
Acryl auf Leinwand
40 cm x 45 cm
2025

Ich will Rot
Irma Anna Prenn & Andi Dvořák anlässlich 20 Jahre Fettkakao
„Swimming is the closest thing I have to a religion. Its one of life’s few experiences where the world isn’t pushing you back. A good swim means losing all sense of time“. Judith Butler
Irma Anna Prenn und Andi Dvořák teilen zwei Dinge: Sie lieben das Schwimmen und meiden den Wettbewerb. Wer in Wien regelmäßig die 50-Meter-Bahnen öffentlicher Schwimmbäder besucht, kennt zwei Typen von Schwimmer*innen: jene mit Pulsuhren, Tools und Trainingsplänen und jene, die einfach ihre Bahnen ziehen. Prenn und Dvořák gehören eindeutig zur zweiten Gruppe. Sie sprechen nicht von einem Wettkampf gegen die Zeit oder gar gegen sich selbst, sondern vom Schweben, vom Treiben, von einem Moment des Losgelöstseins.
In Prenns textilen Arbeiten manifestiert sich dieser Zustand als ein poetisches Verhältnis zur Fläche. Ihre Stoffbilder aus Wolle entstehen händisch, langsam und schichtweise. Sie bestehen aus Fragmenten, Überlagerungen, sichtbaren Nähten und gestickten Markierungen. Es sind keine glatten Oberflächen, vielmehr fragile Konstruktionen in klaren Farben. Die Bettüberwürfe lassen uns nach der Geborgenheit des Umhülltseins sehnen, nahe am Schlaf und am Träumen, dort, wo es keine Zeit gibt.
Das erste Zusammentreffen zwischen Prenn und Dvořák verlief alles andere als ruhig: ein Zusammenstoß im Becken, gefolgt von einem kurzen Wortwechsel. Doch man sieht sich wieder, kommt ins Gespräch, und irgendwann entsteht aus der Kollision ein Kennenlernen.
Dvořák widmet sich in einer Serie an Zeichnungen, von denen zwei Bilder, der 10-Meter-Sprungturm und der Sanitärbereich, in der Ausstellung zu sehen sind, dem Stadionbad, einem ikonischen Bauwerk der Arbeiterolympiade der 1920er Jahre in Wien. Er übersetzt die markante Architektur in Linien und Geometrien. Beton wird zu Blau, Rot, Gelb, Lila und Schwarz. Seine Linienführung gleicht einem Kraulschlag, rhythmisch und bestimmt. Diese Farbkompositionen verweisen nicht nur auf das Becken als Ort des Körpers, sondern auch auf eine vergessene Utopie: ein öffentliches Bad, gebaut nicht für Höchstleistungen, sondern für kollektive Bewegung und Solidarität. Eine Sportstätte, in der Frauen und Männer gleichberechtigt teilnahmen und Spiele erfunden wurden, in denen es keine Sieger geben kann. Neben dem Stadionbad porträtiert Dvořák auch eine Blume, die im Ungarischen „Pletyka“ genannt wird, ein Wort, das „Tratsch“ bedeutet. Die gemalte Pflanze, die sich leise, aber schnell, ungefragt, weich und wuchernd ausbreitet, steht auch für seine familiäre Herkunft sowie für Erinnerungen und Zuschreibungen.
In dem Fragment „Der große Schwimmer“ erschuf Franz Kafka einen Protagonisten, der von der Olympiade in Antwerpen als Sieger zurückkehrt. Doch der vermeintliche Held erklärt: „Geehrte Festgäste! Ich habe zugegebenermaßen einen Weltrekord, wenn Sie mich aber fragen würden, wie ich ihn erreicht habe, könnte ich Ihnen nicht befriedigend antworten. Eigentlich kann ich nämlich gar nicht schwimmen. Seit jeher wollte ich es lernen, aber es hat sich keine Gelegenheit dazu gefunden. Wie kam es nun aber, daß ich von meinem Vaterland zur Olympiade geschickt wurde? Das ist eben auch die Frage, die mich beschäftigt.“
Text: Veronika Eberhart